Apartments, Krefeld

Krefeld
,
Deutschland

Eine Fassade als Aufruf zu lebensbejahender Wohnfreude

Die Wohnstätte Krefeld hat – wie viele der zahlreichen, ehemals gemein­nützigen Wohnbausgesellschaften und -genossenschaften in Deutschland – ihren Ursprung in der sozialen Dynamik der späten Kaiserzeit. Die Industria­lisierung schritt damals schnell voran, und mit ihr stieg sehr rasch der Bedarf nach bezahlbarem, gesundem Wohnraum für eine neue gesellschaftliche Gruppe : die Fabrikarbeiter und ihre Familien. Dies traf in besonderem Maße für das Rheinland zu: In Krefeld wurden im abschließenden Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts unter anderem ein großes Stahlwerk, eine Eisenbahn-Hauptwerkstätte und eine Baumwollspinnerei gegründet. Vor diesem Hintergrund taten sich 1897 einige örtliche Honoratioren zusammen und beschlossen die Gründung einer Baugesellschaft. Im Laufe der Jahre folgten diverse Zusammenschlüsse, aus denen schließlich 1966 die Wohnstätte Krefeld AG unter ihrem heutigen Namen hervorging. Marcel Füser, der Geschäftsbereichs­leiter GB II Technik/Neubau des Unternehmens, kommentiert: »Die Wohn­stätte ist heute mit einem Bestand von rund 8900 Einheiten der größte kommunale Wohnungs­anbieter in Krefeld und Umgebung. Hinzu kommen diverse gewerbliche Objekte, die wir ebenfalls betreiben«.

Ein besonderes Projekt für besondere Menschen

Die Errichtung einer inklusiven Wohnanlage, wie sie unlängst im Stadtteil Oppum in Abstimmung mit der Lebenshilfe Krefeld erfolgte, entspricht unmittelbar dem gemeinnützigen Grundgedanken der Wohnstätte. Laut Heiko Imöhl, dem Vorstandssprecher der Lebenshilfe, hat das Projekt Vorbild­karakter. Er betont: »Auch Menschen mit Behinderung sollen ein möglichst normales Leben von der Kindheit bis ins Alter führen können – darin unterstützt sie die Lebenshilfe Krefeld. Wir haben hier gemeinsam neue Wohnstandards für Menschen mit geistigen oder mehrfachen Behinderungen in Krefeld gesetzt «. Getreu dem inklusiven Ansatz, der dem Projekt zugrunde liegt, teilen sich Menschen mit und ohne Behinderung den neu geschaffenen Wohnraum.

»Für mich ergab sich die seltene Gelegenheit, einer sozial äußerst sinnvollen Einrichtung ein einzigartiges Gesicht zu verleihen«, erklärt der Architekt, Ingolf Eberlein. »Aufgrund meines eigenen Werdegangs – ich ließ mich zunächst zum Maurer ausbilden, und studierte dann Architektur an der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf – bin ich zugleich pragmatisch und bestrebt, das Bauen als Kunst und nicht einfach als Mittel zum Zweck zu betrachten«, fügt er hinzu. »Daher ließ ich mir für die Hauptfassade und die Kopfseiten des Gebäudes ein völlig eigenständiges Konzept einfallen. Im Rahmen meines Architektur­studiums wurde eine interdisziplinäre, ganzheitliche Perspektive bevorzugt, zu der eine intensive Auseinandersetzung mit der Farbenlehre gehörte. Ich hatte damals einen recht strengen Professor, der uns konsequent beibrachte, mit Farbe zugleich kreativ und stringent umzugehen. Da ist einiges hängen­geblieben, worauf ich bei dem Projekt zurückgegriffen habe«.

Für Ingolf Eberlein steht fest, dass vielen seiner Kollegen einfach der Mut fehlt, unkonventionelle Wege bei der Fassadengestaltung zu gehen. Das treffe ganz besonders für Wohnobjekte zu – mit dem Ergebnis, dass viele Gebäude keine erkennbare Persönlichkeit haben. »Für mich als Architekt steht das Spiel mit Farben im Mittelpunkt. Hier war es umso sinnvoller, als ich die Möglichkeit sah, mit einer bunten Fassade für Heiterkeit und Lebensfreude bei Menschen zu sorgen, bei denen dieser Ansatz einen ganz besonderen Sinn ergibt. Ich ließ also meiner Idee freien Lauf und unterbreitete der Wohnstätte einen Vor­schlag, den viele als ‘sehr gewagt’ bezeichnet hätten. Einige Kollegen sagten mir: “Ich würde mich nie trauen, so etwas einem Kunden vorzustellen”. Meine Idee kam allerdings bestens an. Sie wurde seitens der Wohnstätte als “toll” bezeichnet, und von da an hatte ich vollkommen freie Hand«.

Einfach unübersehbar: eine in 19 Farben gehaltene Fassadenbekleidung

Das Architekturbüro entwickelte ein einzigartiges Konzept, das auf einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade basiert, die mit Platten aus HPL-Schichtpressstoff (High Pressure Laminate) in 19 bunten, kontrastierenden Farben bekleidet wurde. Ingolf Eberlein geht ins Detail: »Wir legten die Farbe und die Position jeder einzelnen Platte fest. Ich hatte ganz präzise Vorstellungen und war wenig geneigt, Kompromisse einzugehen: Die Fassade ist wie ein Kunstwerk komponiert. Daher stand schnell fest, dass wir auf Trespa® Meteon®-Platten zurückgreifen würden. Trespa ist ganz einfach der einzige Hersteller weltweit, der eine dermaßen große und schöne Farbpalette anbietet. Bei allen anderen Anbietern hieß es “Geht nicht”. Bei Trespa hieß es “Wir unterstützen Dich”. Die Entscheidung fiel mir also leicht!«.

Der Architekt geht auf seine Beziehung zu den Trespa® Meteon®-Bekleidungsplatten aus einer erweiterten Perspektive ein: »Meine erste Begegnung mit Trespa war eher ungewöhnlich: Sie kam in der Form von Gartenmöbeln aus Schichtpressstoff von Trespa® zustande. Ich fand den Baustoff sofort inspirierend und mochte die Geradlinigkeit und die klare Optik des Materials, einschließlich der dunklen, farbneutralen und glatten Kanten. Ich habe übrigens vor, auch bei meinem eigenen Haus auf Trespa® Meteon®-Platten zurückzugreifen. Nur die Farbe steht noch nicht fest – wobei ich mit dem Gedanken spiele, eine ähnlich bunte Kombination wie beim Objekt in Krefeld-Oppum zu wählen«.

Er fährt fort: »Technisch ist eine mit Trespa® Meteon® bekleidete Fassade einem WDVS (Wärmedämm­verbundsystem) klar überlegen. Das Produkt zählt rein preislich nicht zu den günstigeren Alternativen, aber durch ihre Langlebig­keit ist eine Trespa®-Fassade auf Dauer unschlagbar. Hier geht es darum, den kompletten Bauzyklus zu betrachten. Wenn man die Folgekosten und die regelmäßige Instandsetzung einer verputzten Fassade einkalkuliert, ist das Ergebnis eindeutig: Die mit Trespa®-Platten bekleidete, hinterlüftete Fassade ist klar im Vorteil – von der visuellen Qualität ganz abgesehen«.

Die Vorteile einer ‘harten’ Fassade

»Ich bin selbst Architekt«, merkt Marcel Füser an. »Daher weiß ich, dass ein Kollege, dem man für die Umsetzung seiner Idee die entsprechende Freiheit lässt, einen dem Objekt zugute kommenden Mehrwert schafft. Freiräume sind sinnvoll – natürlich im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten. Hier sprachen zwei Aspekte eindeutig für das Material: die Nachhaltigkeit und die langfristige Kostenbilanz. Beide fallen bei den Trespa®-Platten günstig aus«.

Wie es Marcel Füser unterstreicht, gebe es für die Region typische, tradi­tionellere Formen der Fassadengestaltung. Seit Jahrzehnten sind in diesem Teil Nordrhein-Westfalens insbesondere Klinkerfassaden beliebt – eine Bauweise, die sonst nur im Saarland in ähnlichem Maße vertreten ist. »Mit den Beklei­dungs­platten von Trespa® hatten wir allerdings Erfahrung. Wir hatten sie bereits punktuell als Farbakzente bei diversen Neubauten eingesetzt. Außerdem haben wir unlängst weiße Klinkerriemchen mit in Holzoptik gehaltenen Trespa® Meteon®-Platten kombiniert«.

»Grundsätzlich haben ‘harte’ Fassaden eine Reihe von Vorzügen. Klinker und vorgehängte Fassaden sind langlebig, und auf lange Sicht ist ihre Öko-Bilanz sehr positiv. Hinzu kommt der Reinigungsaspekt, der in unserer Region besonders kritisch ist. In einem dicht besiedelten Raum wie dem Ruhrgebiet sind abwaschbare Fassaden, denen Ruß und sonstige Verunreinigungen nichts anhaben können, klar im Vorteil, und aus einer langfristigen Perspektive wirtschaftlich sinnvoll «.

Auf der Baustelle habe sich auch der Vorteil bewährt, dass auf eine Unter­konstruktion montierte Bekleidungsplatten – anders als Verbundsysteme – witterungsunabhängig verarbeitet werden können. Dadurch konnte das Projekt verzögerungsfrei umgesetzt werden, wobei auch die fachliche Kompetenz des Fassadenbauers, Herrn Czogallas, und eine reibungslose Zusammenarbeit zur erfolgreichen Umsetzung beigetragen haben. Marcel Füser betont: »Herr Czogalla kennt sich bei hinterlüfteten Fassaden und bei der Anwendung von Trespa®-Produkten sehr gut aus. Dadurch war er auch imstande, uns konstruktive Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten, die zum Erfolg des Projekts zusätzlich beigetragen haben«.

»Ein echter Hingucker«

Marcel Füser unterstreicht außerdem den Stellenwert der Wohnanlage in ästhetischer Hinsicht: »Das Gebäude löst einen sehr hohen Wiederer­ken­nungs­effekt aus. Manche nennen es ‘Das Lego-Haus’. Fest steht, dass für vorbeifahrende Krefelder die farbenfrohe Trespa®-Fassade ein echter Hingucker ist. Das Gebäude ist ein Aushängeschild, auf das wir stolz sein können«.

Ingolf Eberlein ergänzt: » Die gebogene Hauptfassade und deren seitlichen Fortsetzungen bringen die Wirkung des von mir entworfenen Farbenspiels bestens zur Geltung. An der Stelle befand sich früher ein bekanntes Traditionslokal. Ich war bestrebt, auch diesmal wieder einen markanten Ort zu schaffen, zu dem die Einwohner in Krefeld-Oppum eine besondere – wenn­gleich anders gelagerte – Beziehung entwi­ckeln können. Daher haben wir in der Vorphase auch Bürger eingeladen, um nicht nur dem Eigentümer, sondern auch ihnen unser unkonventionelles Konzept vorzustellen. Das wird wohl dazu beigetragen haben, dass die Wohnanlage so gut angekommen ist«.

Technisch alles im Griff

Heinrich Czogalla, der Fassadenbauer, beschreibt das Projekt aus einer praxisnahen Perspektive: »Ich bin seit 30 Jahren im Geschäft, und bin bereits mit allem möglichen konfrontiert worden. Zugegeben, ich habe erstmal geschluckt, als mir das Konzept vorgestellt wurde. Die Gestaltung war wirklich ungewöhnlich, und hinzu kam der Radius der Fassade. Es stellte sich aber schnell heraus, dass der Umgang mit diesem relativ großen Radius unpro­blematisch sein würde, denn die Segmentierung der Platten reichte aus, um dem Bogen zu folgen. Dadurch ließ sich eine konventionelle Unterkonstruktion verwenden. Die Platten in 19 Farben haben wir dann gemäß Herrn Eberleins Verlegeplan mit sichtbaren Nieten befestigt. Da die Nieten jedoch auf die individuelle Farbe jeder Platte abgestimmt sind, bleiben sie kaum sichtbar«.

Er fährt fort: »Wir gehen so gut wie jedes Projekt an – egal, ob es um 50 m² oder um 2000 m² geht – und ich hatte bereits umfassende Erfahrung mit dem Material selbst. Unsere Spezialität sind hinterlüftete Fassaden, wobei wir in kleinerem Umfang auch im Metallbau tätig sind. Ich habe daher HPL-Bekleidungsplatten – und insbesondere Trespa®-Produkte – schon vielfach bei Projekten aller Größenordnungen eingesetzt«.

»Bei Trespa® Meteon®-Platten weiß ich die sehr hohe Stabilität des Materials zu schätzen. Da kann Faserzement nicht mithalten, auch wenn wir projektabhängig durchaus auch Faserzementplatten verlegen. Dazu kommt die Überlegenheit von Trespa bei der Formatauswahl. Zu den vier von Trespa ab Werk angebotenen Formaten gehört auch ein sehr großes Ausgangsformat, das keiner der Mitbewerber im Programm hat. Je nach Projekt liegt Trespa dadurch ganz klar im Vorteil«.

Heinrich Czogalla geht auf seine Firmenphilosophie ein: »Wir sind kein großes Unternehmen: Ich beschäftige absichtlich nur fünf festangestellte Mitarbeiter, um flexibel zu bleiben und Überkapazitäten zu vermeiden. Wenn es das Projekt erfordert, kann ich auf gut eingespielte Aushilfskräfte zurückgreifen. Wir konzentrieren uns ohnehin auf die Verlegung selbst. Für die Unter­konstruktion und die Statik bedienen wir uns externer Partner. Wir verfahren auf ähnliche Weise beim Zuschnitt der Bekleidungsplatten: Wir nutzen grundsätzlich den Service unserer Großhändler, und schneiden nur die Passplatten, etwa bei Laibungen, direkt auf der Baustelle. Solche Passplatten werden immer gebraucht, machen jedoch in der Regel nur 5-10 % der Gesamtfläche aus. Erwähnenswert ist hier die Tatsache, dass wir abwechselnd mit drei Trespa-Großhändlern zusammenarbeiten – ThyssenKrupp Plastics in Essen, Lignum in Münster und FAKU in Köln. Sie sind alle drei gleich gut. Jedes Unternehmen greift jedoch für die Optimierung des Zuschnitts auch ein spezifisches Computerprogramm zu, so dass sich immer wieder preisliche Unterschiede ergeben. Dadurch lohnt es sich, die Angebote zu vergleichen, und je nach Objekt dem günstigsten Anbieter den Zuschlag zu geben«.

Der Architekt, Ingolf Eberlein, merkt abschließend an: »Wir hatten es hier mit einer idealen Konstellation zu tun. Ich konnte eine Idee beisteuern, die meine Überzeugungen und mein Talent als Architekt unmittelbar widerspiegelt. Der Bauherr zeigte sich aufgeschlossen und bereit, ein unverwechselbares Zeichen zu setzen. Wir hatten außerdem Zugriff auf ein ausgezeichnetes Produkt und einen kompetenten Fassadenbauer – und nicht zuletzt schufen wir Wohnraum für eine Zielgruppe, die mehr als jede andere eine lebensbejahende, fröhliche Gestaltung ihres Wohnraums verdient«.